Studien analysiert: 5 Erkenntnisse aus der Wissenschaft rund um guten Schlaf

Hinlegen, schlafen, aufstehen. Im Idealfall funktioniert das bei dir genauso, damit gehörst du dann aber zu den Raritäten. Rund jeder zehnte Deutsche soll laut Umfragen und Erkenntnissen unter Schlafstörungen leiden. Dazu gehören Einschlafschwierigkeiten, aber auch Probleme beim Durchschlafen. Fatal, denn die Folgen sind gravierend.

Nachfolgend werfen wir einen Blick auf wissenschaftliche Erkenntnisse rund um das Thema „guten Schlaf“. Die gängigen Tipps zur Verbesserung der Schlafhygiene sind den meisten von uns wohl bekannt, aber was wissen wir eigentlich über den tatsächlichen Einfluss von Schlaf auf unser Leben?

1. Wer schlecht schläft, riskiert Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Du weißt selbst, wie wichtig guter Schlaf für dich ist. Wenn du schon einmal übernächtigt an der Uni gesessen hast und lernen wolltest, kennst du die mittelbaren Folgen für deine Leistungsfähigkeit längst. Wir müssen dir vermutlich auch nicht empfehlen, dass das Sofa in der Studi-WG keine adäquate Alternative zu einer hochwertigen Matratze im Bett ist und dass das Handy nicht in die Hand gehört vor dem Einschlafen.

Wusstest du aber auch, dass deine Herzgesundheit direkt mit deinem Schlaf zusammenhängt?

In mehreren Studien und Metaanalysen wurde gezeigt, dass Schlafstörungen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen können. Die Gefahr ist immer dann gegeben, wenn du weniger als sieben Stunden oder länger als neun Stunden täglich schläfst.

Die Mechanismen dahinter beruhen auf immunologischen, entzündlichen, genetischen, endokrinologischen und neuroautonomen Ursachen. Leitlinien empfehlen für Menschen ab 18 Jahren eine Schlafzeit von mehr als sieben Stunden täglich, aber weniger als neun Stunden.

Sonst drohen unter anderem diese Risiken:
  • Bluthochdruck und Metabolisches Syndrom
  • Herz-Rhythmus-Störungen
  • Herzinsuffizienz und Herzinfarkt
  • Erhöhte Sterblichkeit durch kardiale Zwischenfälle

2. American Heart Association weist auf Hirnfolgen bei Schlafmangel hin

Einer wissenschaftlichen Stellungnahme der renommierten American Heart Association ist zu entnehmen, dass Schlafstörungen negative Folgen auf die Gehirngesundheit haben können. Hierzu gehören Schlaflosigkeit, aber auch Atemstörungen wie Schlafapnoe, Schlaffragmentierung und eine generelle Störung des zirkadianen Rhythmus. Selbst eine extrem lange Schlafdauer scheint in der Lage zu sein, Gehirnerkrankungen auszulösen.

Die Folgen sind vielfältig und reichen von kognitiven Einbußen über die Entwicklung einer frühen Demenz bis hin zum Schlaganfall. Tatsächlich sind diese Erkrankungen selbst wiederum mit einem gesteigerten Risiko für Schlafstörungen verbunden. So entsteht ein Teufelskreis, der eine Differenzierung nur schwer möglich macht.

3. Weniger REM-Schlaf ist mit hoher Sterblichkeit assoziiert

Der Nachtschlaf verläuft in Phasen, von denen wir selbst nur wenig mitbekommen. Es gibt nun erste Erkenntnisse dahingehend, dass gerade fehlender REM-Schlaf zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Wenn du schläfst, durchläufst du dabei idealerweise all diese Phasen:
  • Einschlafphase: Das ist die Übergangsphase zwischen Wachsein und Schlaf. Dein Körper entspannt sich, die Gehirnaktivität lässt nach. Manchmal zuckst du in dieser Phase nochmal zusammen und bist auf einmal wieder hellwach.
  • Leichter Schlaf: In dieser Phase vertieft sich der Schlaf langsam. Deine Körpertemperatur sinkt, die Herzfrequenz und die Atmung werden regelmäßiger. Die Phase macht ungefähr 50 % des gesamten Schlafzyklus aus.
  • Tiefschlaf: Das ist die Phase, in der sich Dein Körper erholt und regeneriert. Wachst du in dieser Phase auf, fühlst du dich schnell groggy und verwirrt.
  • REM-Schlaf: In dieser Phase träumst Du. Die Gehirnaktivität ist fast genauso hoch wie im Wachzustand, aber die Muskeln sind entspannt. Der REM-Schlaf ist wichtig für Dein Gedächtnis und für die Verarbeitung von Informationen.
In zwei Studien einer US-amerikanischen Forschergruppe wurde nun untersucht, ob die REM-Schlafphase einen Einfluss auf die Sterblichkeit von Menschen hat. Dabei wurden zwei Kohorten analysiert, an denen in der ersten Kohorte 2.675 Männer mit einem Medianalter von 76,3 Jahren teilnahmen. In der zweiten Kohorte nahmen 1.386 Personen teil, der Anteil an Männern lag bei 54,3 %.

Nach der Auswertung scheint klar, dass weniger REM-Schlaf (um 5 % reduziert) zu einer gesteigerten Sterblichkeitsrate (um 13 %) in Verbindung steht. Damit zeigt sich einmal mehr, dass die reine Schlafzeit wenig über die Qualität des Schlafs aussagt. Wenn du nie im Tiefschlaf oder in der REM-Phase ankommst, hat das mehr medizinische Folgen als wenn du kürzer schläfst, dafür aber gut.

4. Schlafstörungen sind mögliche Ursache, aber auch Symptom psychischer Erkrankungen

Wer depressiv ist, leidet deutlich häufiger unter Schlafstörungen. Wer unter Schlafstörungen leidet, wird deutlich häufiger depressiv. Das zeigt klar, wie eng die psychische Gesundheit mit dem Schlaf in Verbindung steht. Angsterkrankungen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen und Psychosen gelten allesamt als potenzielle Auslöser für Ein- und Durchschlafstörungen. Oft wird mit Medikamenten gegengesteuert, damit die Patienten überhaupt noch schlafen können.

Eine Schlafstörung unbekannter Genese steht ihrerseits aber auch in Verdacht, psychische Erkrankungen überhaupt erst auszulösen. Nicht selten sind hier organische Ursachen mitverantwortlich. Patienten mit Restless-Legs-Syndrom leiden beispielsweise häufig unter psychischen Begleiterkrankungen.

Die Grunderkrankung führt dazu, dass die Patienten nicht schlafen können. Dieser Umstand führt zu Tagesmüdigkeit, Schwäche und zunehmender Isolation. Diese Umstände wiederum können direkt in die Entwicklung einer psychischen Erkrankung führen.

Sobald Schlafstörungen länger als drei bis vier Wochen anhalten, empfehlen erfahrene Ärzte den Kontakt mit einem Arzt. Es können unterschiedliche körperliche Erkrankungen dahinterstecken, die dann durch den Beginn des Teufelskreises (Körperliche Ursache – Schlafstörung – psychische Erkrankung) in eine langwierige Krankengeschichte führen. Die Forschung beschäftigt sich schon lange damit, wie dieser Teufelskreis aufzuhalten ist. Medikamente wirken zwar schlaffördernd, können ihrerseits aber wieder zu nachhaltigen Störungen im Schlafrhythmus führen und eine Abhängigkeit zur Folge haben.

5. Guter Schlaf wirkt sich positiv auf die Produktivität aus

Du weißt nun, welche Folgen fehlender Schlaf haben kann. Guter Schlaf ist im Gegenzug direkt mit positiven Effekten verbunden, wie eine Studie belegt. Das Forscherteam wies nach, dass Ruhephasen nicht ausreichen, um echten Schlaf zu kompensieren. Dieser Zustand ist einzigartig und die Untersuchung belegt genau das.

Für die Studie wurde mit 66 Personen ein Lernexperiment durchgeführt. Die Teilnehmer bekamen Muster gezeigt, die sie unterscheiden sollten. Anschließend wurde ein Drittel der Gruppe schlafen geschickt, eine andere blieb wach und ruhte ohne äußere Reize und die dritte Gruppe sah sich Videos an oder war körperlich aktiv.

Die schlafende Gruppe erledigte die nachfolgende Aufgabe deutlich besser als die aktive und wache Gruppe. Es gelang ihr aber auch, die Personen zu übertreffen, die während der einstündigen Pause geruht hatten. Damit ist für die Forschungsgruppe klar, dass Ruhe allein nicht zur Erholung führt, sondern Schlaf selbst Einfluss auf die Produktivität und kognitive Leistungsfähigkeit hat.

-- ZylaCourtney - 10 Oct 2024
Topic revision: r1 - 10 Oct 2024, ZylaCourtney
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